Artikel zur BV Jahresausstellung in der KTZ

Schmutzengel, Milchsuppe, Eulen und Torten-Zwillinge

In der Alpen-Adria-Galerie zeigt Kärntens Berufsvereinigung Bildender Künstler derzeit ihre Jahresausstellung: Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Medienkunst in origineller Stilvielfalt.

Klagenfurt. Noch ein paar Tage läuft in der Klagenfurter Alpen-Adria-Galerie die Jahresausstellung der Berufsvereinigung Bildender Künstler. 60 Werke, kaum eines älter als ein, zwei Jahre, sind in die Schau aufgenommen. Die Besucher stehen vor Stilvielfalt, originellen Welt- und Gesellschaftserklärungen, vor Allerlei und Qualität, vor überraschend viel Gültigem, vor Malerei, Bildhauerei, Grafik, Fotografie und neuer Medien-Artikulation. Wer will, lässt sich von Torten-Zwillingsmöbelstücken des landesförderungspreisgeadelten, auf internationaler Ebene wirkenden Duos Markus Hanakam & Roswitha Schuller verwöhnen – Objekte schier zum Hineinbeißen. Ans Auge drängen sich zwei großformatige Mischtechniken Peter Kohls, „Der Schmutzengel“ und “ Milchsuppe“. Da wird viel erzählt, werden rätselhafte Botschaften aus ebensolchen Räumen und Sphären vermittelt. Inmitten all der Zweidimensionalität machen Objekte und Skulpturen auf sich aufmerksam. Etwa Wolfgang Kropfitschs von hoher Ästhetik getragener „Tapu“-Steinkörper, dessen formvollendete Rundungen eine zu „verbotenen“ Gedanken einladende Öffnung umschließen. Weiteres gelungen scheinendes Kropfitsch-Objekt: Zu glasierter Materie verwandelte Meereswellen, verheißungsvoll glatt und doch aufbrausend – ein kataklysmisches, von Philosophie durchdrungenes dualistisches Ereignis spricht den Betrachter an. Harry Jeschofnig ist schwergewichtig vertreten. In der Aula des Stadthauses empfangen seine Autostoßstangen-Plastik „Punkrocker“ und ein Bronzeguss derselben das Publikum.

Zelle der Verderbnis

Inmitten der großen Ausstellungshalle starren zwei hohe Eulen, denen ebenfalls einerseits verchromtes Blech, andererseits Bronze zugrunde liegen, gelassen vor sich hin, dokumentieren das sichere Gefühl Jeschofnigs für Form. In einem der Nebensäle nimmt sich die Kunst wirtschaftskrimineller Fragen an. Friedrich J. Tragauer zeigt ein via Fotos und Grafiken gewonnenes „Hypo-Objekt“, ein Labyrinth, eine von der „Normalität“ abgegrenzte Zelle der Verderbnis. Wer nicht auf Anhieb ins Innere dieses Mammon-Anbetungstempels gelangt, erhält Informationszugang per Handy-App. Margarethe M. Bauer, Berufsvereinigungs-Vizepräsidentin, freut sich: „Die Zeiten, da unsere Institution gegenüber dem Kärntner Kunstverein als nachrangig erachtet wurde, sind längst vorbei. Viele durchaus namhafte Künstler sind Mitglieder beider Vereine.“ M.Posch

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