Conny Niehoff: (4) Sollte Kunst erschwinglich sein?

Eine weitere Woche der Blogparade führt uns zu Conny Niehoff und der Frage:

Sollte Kunst erschwinglich / bezahlbar sein? Es wäre schön, wenn es so wäre.

Meine Antwort:

Nüchtern betrachtet, muss man aus der Sicht des Künstlers sagen, dass Kunst sich auch danach richten muss, dass ein Künstler seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Ich habe dafür einmal eine Rechnung angestellt, dass bei einem durchschnittlichen monatlichen Lebensunterhalt von 1000,– (im Vergleich mit einem nichtselbständig Tätigen) durch Hinzurechnung von Steuer, Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung, Abgaben, Materialien, Werbung, Reise- und Galerieaufwand mindestens ein Monatsumsatz von 2000,– erzielt werden muss. Dies muss ein Künstler in die Preise seiner Bilder mit einberechnen und auch noch den „Ausfall“, den er hat, weil ja nicht jedes Bild verkäuflich ist und auch nicht jeder, der bei ihm vorbeikommt, auch tatsächlich ein Bild kauft. Kommen zum Monatsumsatz auch noch die Galeristen und ihre Provisionen hinzu, muss schon mindestens ein Monatsumsatz (durch den Galeristen von 5000,–) erzielt werden, damit der Künstler die 2000,– erhält. (Eine Einschätzung meinerseits und keine wissenschaftlich fundierte Berechnung.)

Künstler gab’s noch nie so viele wie heute. Dabei möchte ich mir ein Urteil über künstlerisch oder nicht, gar nicht erlauben. In Anbetracht dessen, dass auch in der Vergangenheit nur wenige Künstler berühmt und vielleicht auch mal reich geworden sind, war es immer schon ein hartes Brot. Heutzutage muss der Markt aber auch noch von einem Heer von Kreativen geteilt werden. Hinzu kommt noch, dass die Presse immer wieder nur teuere/werkvolle/einzigartige Werke präsentiert, dass wiederum die Volksmeinung bildet: Kunst muss kosten, sonst ist es keine Kunst. Ein weiterer Schwierigkeitsgrad besteht auch darin, dass heute Kunst an sich nicht definiert ist, jeder alles als Kunst bezeichnen kann und somit eine große Unsicherheit über Kunst und Wert der Kunst vorherrscht.

Alles in allem wäre es zwar wünschenswert, wenn Kunst bezahlbar wäre, aber realistisch betrachtet hat die Preisfindung eines „durchschnittlichen Künstlers“ – also aller jener, die keinen Weltruhm erlangen – sich nach seinem Lebensunterhalt zu richten und der hat nun einmal seinen Preis.

Schreibe einen Kommentar