Frank Koebsch: (10) Sind Aquarelle Kunst?

Frank Koebsch fragt diese Woche: Sind Aquarelle Kunst? Und stellt weiters zur Diskussion:

  • Aquarell ist Kinderkram, denn das machen doch die Kinder bereits in der Kita.
  • Etliche Galerien nehmen keine Bilder auf Papier entgegen und erst Recht keine Aquarelle.
  • Aquarelle erzielen geringere Preise als Bilder in Acryl, Mixed Media, Öl vom gleichen Künstler im gleichen Format???

Meine Antwort:

Grundsätzlich dürfte der Aquarellist die selben Probleme haben, wie der Öl- oder Acrylmaler. Viele machen es und glauben, dass es dadurch nichts besonderes sei.

Für mich persönlich ist ein gut gemachtes Aquarell die Hohe Kunst des Malens, quasi die Königsdisziplin der Malerei. Wasser- und Lichtdurchflutete Bilder sind eine Herausforderung an die Planung in Kombination mit Mut zum Zufall. Ich habe große Achtung vor den Könnern der Aquarellistik. Daher für mich ein Eindeutiges: Ja, Aquarelle können Kunst sein.

Die Problematik mit den Papierarbeiten kenne ich. Ich arbeite selber auch zu 95 % auf Papier und habe die Erfahrung gemacht, dass Kunden / Galeristen diese Arbeiten nicht gerne annehmen, weil die Herausforderung der zusätzlichen Rahmung besteht. Der Kunde an sich ist meist überfordert, sich der Aufgabe, selber einen Rahmen zum Bild kaufen zu müssen, zu stellen. Außerdem kommen nicht kalkulierbare Kosten auf ihn zu, die der potenzielle Käufer zum Zeitpunkt des Erwerbes des Bildes noch nicht kennt. Und egal, wie man ein Bild auch Rahmen mag, es gefällt bestimmt nicht jedem. Geschmäcker sind nun mal verschieden, und wer mag einen neutralen weißen, schwarzen, grauen oder silbernen Rahmen, wer knallige Farben, wer Holz und wer Metall? Das ist oft schon mal abschreckend. Weiters wissen speziell die Galeristen, dass Papier arbeitet; es kann sich wellen, vergilben, verändern. Die Lagerung ist ebenfalls wesentlich sensibler zu gestalten.

Ein Öl- oder Acrylbild ist immer quasi zum Aufhängen bereit und braucht keine zusätzliche Rahmung. Daher steht für einen potentiellen Kunden der Kaufpreis fest und kann so wie gesehen auch mit nach Hause genommen und an den Nagel gehängt werden. Kein Zusätzliches Herumlaufen oder Nachdenken nötig. So einfach ist das.

Die Bewertung der Galerien bezüglich der Wertigkeit von Aquarell, Öl und Acryl im Zusammenhang mit der Preisgestaltung kann ich nicht nachvollziehen. Gutes Papier ist oftmals teuerer als eine Leinwand (die heutzutage fast ausschließlich aus Baumwolle besteht),  zuzüglich der benötigten Farbe entstehen daher annähernd ähnliche Kosten, egal für welches Malmaterial. Daher scheint die Wertsteigerung durch Verwendung der Ölfarbe anstatt der Aquarellfarbe nicht ganz gerechtfertigt.

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